09.04.2018

Telefonseelsorge Paderborn - Monika Dinger geht nach 30 Jahren in den Ruhestand

Die Begleitung von Menschen lässt die Pfarrerin und Therapeutin nicht los

Zeigt mit Stolz und Freude den Beleg für die gute Ausbildung von Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge: Pfarrerin und Therapeutin Monika Dinger, die am 13. April in den Ruhestand verabschiedet wird.

„Beim Anstoßen und Begleiten von Veränderungsprozessen fasziniert mich am meisten, wie Menschen Einsichten gewinnen und sich öffnen“, sagt Monika Dinger (65), Inhaberin der Kreispfarrstelle Telefonseelsorge des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, mit spürbarer Begeisterung. Als stellvertretende Leiterin der 1986 gegründeten ökumenischen Telefonseelsorge Paderborn, wo die Pfarrerin seit 1988 in dieser Position tätig ist, hatte sie dazu reichlich Gelegenheit: Sowohl im Kontakt zu Hilfesuchenden am Telefon und in der Mailberatung als auch in der jeweils 15-monatigen Aus- und Fortbildung von Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge. Zurzeit sind es 55 Frauen und 13 Männer, die diesen Dienst im Wechsel rund um die Uhr tun.

 

Am Freitag, 13. April, wird Monika Dinger in den Ruhestand verabschiedet. Mit einem Gottesdienst um 16.30 Uhr in der Paderborner Abdinghofkirche und einem anschließenden Empfang im Paul-Gerhardt-Haus. In ihrer Predigt möchte die Theologin und Therapeutin über das Bild der Wortbrücke nachdenken. Die Kreispfarrstelle wird wieder besetzt.

 

Seit Mai 2004 hat Dinger die Region Westfalen im Bundesvorstand der Evangelischen Konferenz für Telefonseelsorge vertreten. Von 1997 bis 2012 war sie als Synodalbeauftragte des Kirchenkreises außerdem Leiterin der Notfallseelsorge in Paderborn, die sie mit aufgebaut hat.

 

Auch nach ihrem offiziell letzten Arbeitstag Ende Mai wird Monika Dinger die laufende Fortbildung der Telefonseelsorge mit anfangs 14 Teilnehmenden noch bis Juni 2019 zu Ende führen. Zudem befindet sich die gebürtige Bielefelderin zurzeit in fortgeschrittener Ausbildung zur Psychoanalytikerin. Ausbildungen in Integrativer Therapie am Fritz-Perls-Institut und in Psychoanalytischer Sozial- und Kulturtheorie gingen voraus. Ihre Praxis in Paderborn möchte sie in Zukunft weiter ausbauen. Außerdem freut sich die vierfache Mutter darauf, mehr Zeit für ihre Enkel in Göttingen, Heidelberg und Berlin zu haben, für Reisen und Kultur.

 

Mit „großer Freude und Stolz“ erfüllt Monika Dinger die Forschungsarbeit ihrer Tochter Ulrike Dinger (Heidelberg). Die Psychologin und Medizinerin untersuchte bundesweit die Effekte der Seelsorgeausbildung Ehrenamtlicher. Die in einer internationalen Fachzeitschrift veröffentlichten Ergebnisse des empirischen Forschungsprojekts der Telefonseelsorge sind nun auch in Deutschland erschienen: „Pastoraltheologie“, Monatszeitschrift für Wissenschaft und Praxis in Kirche und Gesellschaft, Dezember 2017. „Das Forschungsprojekt hat ergeben, dass Absolventen der anspruchsvollen Ausbildung in der Telefonseelsorge mit Selbsterfahrung und Gesprächsmethodik besser mit Stress umgehen können, bindungsfähiger sind und dass ihr allgemeines Wohlbefinden gestiegen ist“, so Monika Dinger. Die Menschen, die sich hilfesuchend an die Telefonseelsorge wenden, profitieren davon. Im letzten Jahr waren es gut 12.000 Anrufe. „Vorwiegend melden sich Personen mit psychischen Problemen. Daneben findet Krisenberatung statt, auch Suizidprävention“, beschreibt Dinger die Arbeit der Telefonseelsorge. Häufige Themen seien Beziehungs- und Paarprobleme, ebenso Vereinsamung.

 

Auch technische Veränderungen haben in den vergangenen 30 Jahren dazu beigetragen, dass sich die Arbeitssituation für die Ehrenamtlichen weiter verbessert hat und selbstbestimmter geworden ist: Monika Dinger nennt den Rückgang der Scherz- bzw. missbräuchlichen Anrufe vom Maximum 40 Prozent in 2010 auf sechs Prozent im Jahr 2017. Ein Grund dafür sei das Aufkommen des Smartphones, das Jugendliche anderweitig beschäftige. Außerdem konnten in den letzten Jahren auch die Anrufe aus den Mobilfunknetzen regionalisiert werden, so dass inzwischen wieder überwiegend Anrufe aus dem eigenen Einzugsgebiet die Telefonseelsorge erreichen. Das Einzugsgebiet umfasst die Kreise Höxter und Paderborn, Lippstadt und einen Teil des Hochsauerlandkreises. „Und dadurch, dass die Telekom die Anrufe jetzt über das Internet steuert, können die Ehrenamtlichen selbst bestimmen, wie viele Anrufe sie haben und sich auch mal für eine Pause abmelden“, freut sich Monika Dinger.

FOTO: EKP/HEIDE WELSLAU

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