07.11.2016

Digitalisierung verändert Arbeitswelt und Gesellschaft 5. SOZIALKONFERENZ Freiheit und Handlungsfähigkeit der Menschen erhalten

Akteure und Träger der 5. Paderborner Sozialkonferenz: (v.l.) Antonia Kühn, Stefan Marx (DGB), Susanne Bornefeld (Kirchenkreis-Sozialbeauftragte), Rainer Fromme (Dekanat), Udo Wichert, Benedikt Fischer, Almut Ranft, Sylvia Homann, Volker Neuhoff, Astrid Bartols, Günter Wilhelms und Michael Dreier.

PADERBORN (ekp/wels). „Güte wird über Gerechtigkeit gestellt, damit der Mensch von seiner Arbeit leben kann“, interpretierte Dechant Benedikt Fischer, Dekanat Paderborn, zu Beginn der 5. Paderborner Sozialkonferenz die Parabel von den Arbeitern im Weinberg im Neuen Testament (Mt 20). Unabhängig von den geleisteten Arbeitsstunden erhält hier jeder Arbeiter den vollen Tageslohn. „Ist Gottes Güte auch bei uns möglich, ob wir es dann nicht schaffen können, dass jeder von seiner Arbeit leben kann?“, fragte Fischer. Gemeinsam mit Superintendent Volker Neuhoff, Evangelischer Kirchenkreis Paderborn, eröffnete er die 5. Sozialkonferenz zum Thema „Wert der Arbeit – Wert des Menschen. Schöne neue Arbeitswelt 4.0?!“ am 5. November im Audimax der Theologischen Fakultät mit 130 Teilnehmern. Die Gesamtmoderation lag in den Händen von Sylvia Homann, Radio Hochstift. Zum Bündnis der Veranstalter gehören neben Kirchenkreis und Dekanat der DGB-Region OWL und das Sozialinstitut Kommende Dortmund.

 

„Hat die Digitalisierung der Arbeit („Arbeit 4.0“) im Blick, dass der Mensch keine Maschine ist, und damit das Wohlergehen der Menschen?“, fragte Superintendent Neuhoff. Der Rektor der Theologischen Fakultät Paderborn, Prof. Dr. Rüdiger Althaus, nahm in seinem Grußwort das weltweite Verhältnis von Arbeitswelt und Menschenwürde kritisch in den Blick: „Die Sklaverei ist formal abgeschafft, aber besteht sie nicht in der Praxis noch weiter?“ Den Missstand, dass humane Arbeit mit und am Menschen am schlechtesten entlohnt wird, nannte Astrid Bartols, Geschäftsführerin DGB-Region OWL. Sich selbst als „Sozialromantikerin“ bezeichnend erinnerte Bartols an Artikel 1 und 20 des Grundgesetzes. „Gemeinsam mit der evangelischen und katholischen Kirche werden wir nach dem heutigen Auftakt das Thema weiter vertiefen“, kündigte sie an.

 

Selbstfahrende Autos, 3-D- Drucker und Wissensmaschinen nannte Prof. Dr. Günter Wilhelms, Theologische Fakultät, als prominente Beispiele der „Arbeit 4.0“. Generell bedeute sie eine Transformation der Arbeitswelt durch neue Kommunikationswege und digitale Prozesssteuerung. So könnten über das „Internet der Dinge“ selbständig Daten ausgetauscht werden. Verändert würde auch die Gesellschaft insgesamt. Unsicherheit herrsche darüber, ob die Transformation eine „digitale Revolution“ bedeute, verbunden mit der Frage, wer den Takt angibt: Technik oder Politik? Als aktuelle Herausforderungen aus ethischer Sicht nannte Wilhelms die Kriterien Freiheit und Handlungsfähigkeit des Menschen. Denn was ist bei zunehmender Auflösung der Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit in Zukunft möglich: „Work-Life-Balance“ oder „Arbeitsterror“ durch ständige Erreichbarkeit? Spannend war auch Wilhelms Ausblick auf das Thema „Mythos Technik“: „Wird die Technik den Handlungsspielraum der Menschen erweitern oder entfernt sich die Welt durch Technik so sehr, dass sie für den Menschen nicht mehr greifbar ist?“ Um das abzuwenden, müssten andere Zugänge zur Wirklichkeit ebenso stark gemacht werden: Kunst, Ethik und Bildung, meinte Wilhelms.

 

In der Diskussion erinnerte Udo Wichert, Sprecher der Geschäftsführung Steag Fernwärme GmbH/Essen, an die ökonomischen Rahmenbedingungen der Unternehmen durch (Welt)Märkte, Wettbewerb und Kunden neben dem subjektiven Faktor Mensch. Der Mensch und seine Bildung müsse bei allen Entwicklungen im Mittelpunkt stehen, so Bürgermeister Michael Dreier. Als positive Beispiele der Digitalisierung in der Stadt Paderborn nannte er neben Parkplatzleitsystem und Kläranlage das neue Carsharing-Konzept. Mit der Digitalisierung werde nicht alles einfacher, ist sich Antonia Kühn, DGB NRW, sicher. Es werde weiter niedrig- und hochqualifizierte Berufe geben. „Bildung bleibt wichtig!“, sagte Kühn und warb für Präventivmaßnahmen durch „aktive Strukturpolitik“ der Wirtschaft vor Ort. Behilflich dabei ist Almut Ranft, Projektleiterin „Arbeit 4.0 – Lösungen für die Arbeitswelt der Zukunft“ / OWL Maschinenbau, Bielefeld. Unternehmen bis zu 250 Mitarbeitenden werden auf Wunsch „allererste Schritte“ für die Umstellung der Arbeitsabläufe aufgezeigt. Mit nüchternem Blick unsere „moralischen Ressourcen und Gestaltungskompetenzen wahrzunehmen“, dafür plädierte Prof. Dr. Günter Wilhelms. Die ‚Generation Z‘ (die heute 6- bis 20-Jährigen) werde zwischen analoger und digitaler Welt nicht mehr unterscheiden.

FOTO: EKP/HEIDE WELSLAU

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